Schön altmodisch
Rheinberg, 06.09.2009, Alexander Florie



Gitarrenvirtuose Jan Akkerman ließ im Schwarzen Adler in Rheinberg Vierbaum noch einmal die brodelnde Musik der 70er Jahre aufleben

In den Konzertsaal im Schwarzen Adler hätte keine Maus mehr gepasst, so voll war es an diesem Abend. Zahlreiche Musikfans aus dem Rheinland und sogar aus dem Nachbarland Holland waren gekommen, um einem großen Gitarrenvirtuosen zu huldigen: Jan Akkerman, neben Eddie van Halen der grösste holländische Musikexport.

In den 70er Jahren war Akkerman einer der angesagtesten Rockgitarristen überhaupt, als Mitglied der Formationen Brainbox und Focus erlangte er Weltruhm. 1976 wurde er von einer amerikanischen Musikzeitschrift zum besten Gitarristen der Welt gewählt.

Dass er auch nach fast vierzig Jahren im Musikgeschäft rein gar nichts von seinen Fähigkeiten eingebüßt hat, zeigte er auch an diesem besonderen Abend bei seinem insgesamt vierten Konzert in Rheinberg-Vierbaum. Der fast 63-jährige wartete mit der gesamten Palette seines Könnens auf, von Uptempo-Rock über Blues bis zu jazzigen Passagen und sensiblen Balladen. Die Musiker seiner exzellenten Band - Coen Molenaar (keyboards), Wilbrand Meischke (bass) und Marijn van den Berg (drums) - hatten aber ausreichend Gelegenheit, ihre solistischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Angenehm auch, wie locker und ohne spektakuläre Mätzchen das Quartett und Akkerman zu Werke gingen. Aktuelleres Material stand dabei gleichberechtigt neben den alten Songs aus den 70er Jahren.

Ausgeglichen und entspannt konnte es sich der Meister leisten, mit einer Ballade wie „You do something to me” in das knapp zweistündige Konzert einzusteigen. Lässig, filigran und mit leichter Hand schaffte es das Quartett, bei Songs wie Streetwalker eine echte Laid-Back-Atmosphäre zu erzeugen, bevor es dann mit einem knackigen Rockaussteiger wie Trainquillizier den ersten Part des Sets abschloss. „Schön altmodisch”, meinte ein Gast, der Akkerman nach 34 Jahren erstmals wieder sah, aber halt auch absolut präsent und auf Höhe der heutigen Zeit. Den zweiten Teil eines beeindruckenden Konzerts beendete Akkerman dann mit drei Zugaben und den beiden bekanntesten Songs der Focus-Ära, und zwar Hokus Pokus und Sylvia, die vielen noch einmal einen Eindruck der brodelnden 70er-Jahre-Musikzeit vermittelten.