Konzert am 19.05.2006 im Jazz Club "Weberhaus", Viersen

Akkerman bewies Lust am Spiel
VON OTTMAR NAGEL

VIERSEN Seine Popularität ist ungebrochen: Jan Akkerman, einer der bekanntesten Gitarristen Europas, sorgte mit seinem Gastspiel im Süchtelner Weberhaus auf Einladung des Jazz Circle für ein ausverkauftes Haus. Seit vier Jahrzehnten auf der Bühne hat der sympathische Niederländer die Lust am Spiel nicht verloren, und so begeisterte er die Fans derart, dass in der Pause seine aktuelle CD "Fromage á Trois" ausverkauft war.

Sein Konzert teilte er inhaltlich in zwei Teile. Im Sitzen absolvierte er einen eher ruhigen ersten Set. Im Duett mit seinem ausgezeichneten Bassisten Wilbrandt Meischke ging es mit zwei Stücken von Django Reinhardt los. Akkerman schätzt den Gitarristen sehr, bezog er sich doch mehrmals auf den Swingstar der 30er Jahre. In diesem Fahrwasser ging es weiter, als mit Coen Molenaar (Keyboard) und Marijn v.d.Berg (Schlagzeug) die Gruppe komplettiert war. Sehr relaxt kam ein 30er-Jahre-Titel ("Sweet Sue") rüber. Die nächste Nummer "Hymn a l'amour" hatte schon Akkermans Mutter gespielt, als er noch ein Junge war. Er selbst spielte das wunderschöne Chanson mit eigenwilligen Kontrapunkten in der Improvisation.

Inspiriert von einem der berühmtesten Stücke Django Reinhardts ("Nuages") erklang eine Akkerman-Komposition, die wahrlich träumerische Qualitäten hervorbrachte, gelegentlich aufgerüttelt durch eruptive Läufe. "Pietons", eine Swingnummer mit interessantem percussivem Mittelteil und einer Focus-Reminiszenz als Coda sowie eine schwebende Schlussnummer rundeten den ersten Teil ab, in dem Akkerman das alleinige Improvisationsrecht für sich beanspruchte, während seine Mitmusiker den harmonisch-rhythmischen Klangteppich knüpften.

Etwas mehr zum Gelingen des Gesamtkunstwerkes durften Letztgenannte im zweiten Teil beitragen, in welchem Akkerman eine Melange aus Funk, Rock und Jazz, mit einer gehörigen Portion Blues anmischte. Die rockigen Soli v.d.Bergs oder die Klavier-Soli Molenaars auf dem Fender Rhodos bildeten ein Gegengewicht zu Akker-mans Improvisationen, stilsicher und technisch voll auf der Höhe. Eine traumhafte Ballade von Paul Weller und anschließend ein dampfender Blues - Höhepunkte eines mitreißenden zweiten Konzertteils, der erst nach Mitternacht endete. Auch für ein niederländisches Fernsehteam, das Akkerman während der letzten Tage "verfolgt" hatte, um ein Portrait dieses Ausnahmemusikers zu erstellen.